Stille:zeit - Zukunft ruft an

Stille:zeit - Zukunft ruft an

**Das Leben ist zu kurz, um in einem Beruf oder auch im eigenen Unternehmen zu arbeiten, das krank macht. Bekanntlicherweise gibt es tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit. (C.L.Börne) ** Arbeitssicherheit schützt nicht nur die Gesundheit des Unternehmers und des Mitarbeiters, sondern auch die des Unternehmens. Mancher Unternehmer, manche Führungskraft hat auf diesem Hintergrund sein bisheriges Leben mit einem Wechsel in einen ganz anderes berufliches Umfeld transformiert und ist so zu neuem Wachstum gekommen.

"Stille:Zeit® - Zukunft ruft an" ist der Interview-Podcast mit Unternehmern und Führungskräften, die erfolgreich (mindestens) eine zweite Karriere in einem ganz anderen Bereich gestartet haben.

Das Ingenieurbüro Heinke Wedler, Ingenieurbüro für Arbeitssicherheit und Betriebliches Gesundheitsmanagement, berät seit rund 25 Jahren erfolgreich Unternehmen, Unternehmer und Mitarbeitende (m/w/d). Der Moderator Stefan Hund begleitet seit 2004 International Unternehmer und Führungskräfte. Sein Spezialgebiet sind Schweigeseminare.

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Stillezeit-017-Monika Wetterauer-Kopka

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Monika Wetterauer-Kopka

(Komplettes Transkript)

I: Stillezeit -Zukunft ruft an. Mein Anruf beziehungsweise mein persönliches Interview ist heute an der badischen Bergstraße. (Musik) Liebe Hörerinnen und Hörer, hier ist eine neue Folge und ich freue mich heute, dich, liebe Monika Wetterauer-Kopka im Gespräch zu haben. Wir kennen uns seit über 20 Jahren und auch wenn Du hier wie das strahlende Leben sitzt, weiß ich, da hat es auch andere Zeiten gegeben hat. Und es ist toll, wie es dir im Moment geht. Schauen wir uns also einmal an, wie deine Entwicklung war, um vielleicht dem ein oder anderen die Möglichkeit zu geben, daran Anteil zu nehmen. Ich denke, wir werden dann nachher noch … deine Seite verlinken, sodass jeder, der noch Fragen hat, dich ansprechen kann. Liebe Monika, wir halten es in diesem Interview mit dem Du, weil wir uns schon lange kennen. Alles andere wäre jetzt ja auch komisch! Wenn ich dich bitten darf: Stell dich doch bitte kurz unseren Hörerinnen und Hörern vor!

B: Erstmal herzlichen Dank Stefan für das liebe Intro und für die Einladung, diesen Podcast mit dir aufnehmen zu dürfen. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, mein Name ist Monika WETTERAUER-KOPKA, ich bin vor kurzem 50 Jahre alt geworden, bin verheiratet und habe eine zwölfjährige Tochter. Ich liebe meinen Beruf, Metedas, ihr Experte für kreative Veränderungen, aber habe früher etwas ganz anderes gemacht. Ich glaube aber, dass wir darauf später noch kommen. Was mir noch wichtig ist und was ich gerne noch mit Ihnen teilen möchte, sind meine Hobbies: Das ist zum einen die Musik, der Gesang. Ich bin auch eine begeisterte Nordic Walkerin und mache recht intensiv Yoga.

I: Schön. In welchem Business bist Du denn momentan mit Metedas tätig? Und was muss ich als Kunde wollen, um zu dir zu kommen und erfolgreich mit dir zusammenarbeiten zu können?

B: Metedas nennt sich „Experte für kreative Veränderungen“, Veränderungen zu begleiten und mit zu gestalten ist daher quasi mein Hauptziel. Das mache ich auf zwei Ebenen: Zum einen auf der Ebene der Einzelpersonen, also im Coaching. Hier liegt mein Hauptaugenmerk auf langfristigen Veränderungen und weniger auf Schnellschüssen à la: „Ich habe gerade einen neuen Chef gekriegt und komme mit dem nicht ganz so gut zurecht. Ich brauche mal kurz Unterstützung.“ Darauf liegt weniger mein Fokus. Dafür kümmere ich mich umso intensiver um Leute, die sagen: „Ich merke, ich bin in meinem Leben an einem Punkt angekommen, wo es so nicht mehr weitergehen kann und ich nicht mehr auf gleiche Art weitermachen möchte. Und ich weiß, dahinter ist irgendwo eine Vision, wie es weitergehen soll, aber das ist alles noch so unklar, so diffus. Ich weiß nicht wie! Ich brauche jemanden, der das mit mir mal richtig aufdröselt und den Weg mit mir gemeinsam geht.“ Das heißt, meine Coachees sind häufig an die ein bis zwei Jahre bei mir, weil ein längerfristig wirkender Veränderungsprozess sich nicht innerhalb von Stunden oder Tagen bewerkstelligen lässt. (I: Wirklich nicht?) Meistens nicht. Natürlich gibt es auch diese Schnellschüsse und auch das habe ich schon erlebt. Allerdings gehen die meisten, die bei mir sind, gerne den längeren Weg. Das ist sozusagen die Ebene der Einzelperson. Auf der Unternehmensebene begleite ich Change-Prozesse in der Organisation. Dort moderiere ich mit dem ganz klaren Fokus darauf, das gesamte System einzubinden. Mein Slogan dafür ist: „Vom Pförtner bis zum Geschäftsführer!“ Dieser Ansatz mag für viele neu sein, schließlich zielt er hierarchisch nicht von oben herab, sondern flach. Für mich sind aber alle Betroffenen Beteiligte und wenn wir die Meinungen aller hören, wird auch das Verständnis aller Ebenen wesentlich transparenter und wesentlich größer sein. Das ermöglicht es uns erst, das Ganze erfolgreich zu gestalten. Natürlich gibt es Organisationen und Unternehmen, die das nicht verstehen oder durchsetzen können, aber es werden doch ganz klar immer mehr, die sagen: „Doch, genauso ist es! Weil ich ganz genau weiß, dass mein Geschäftsführer bestimmte Ideen und Gedanken und Zwänge hat, weswegen er bestimmte Entscheidungen treffen muss. Aber die Sachbearbeiterin in der Abteilung XYZ hat doch auch ihre Gedanken. Ihre Ängste und ihre Ideen und ihre Fragen. Und das sollte doch alles auf einen Tisch!“

I: Dann ist das also zu großen Teilen kulturelle Arbeit!?

B: Ja, ja und nochmal ja!

I: Das war nicht immer so! Du hast, ich sage es mal frei, mehrere drastische Veränderungen durchlebt. Was war denn der Auslöser deiner Entwicklung hin zu Metedas?

B: Metedas habe ich im Jahr 2004 gegründet, das ist mittlerweile auch 14 Jahre her. Ich komme ursprünglich aus der Bankenwelt. Nachdem ich meine Banklehre absolviert und VWL studiert hatte, wurde ich recht bald von einer Unternehmensberatung abgeworben. Dort leitete ich Infrastruktur-Projekte in der IT, bearbeite alle Fragestellungen, die mit dem Bankwesen zu tun hatten und erlebte so gesehen Großprojekte von 40-50 Leuten, die an so einer großen Systemumstellung arbeiten. Das war in der Anfangszeit ganz aufregend und spannend, ich bin viel umhergereist, habe ganz viele unterschiedliche Organisationen und auch Menschen kennengelernt. Ich geriet auch an meine Grenzen, was das Thema Arbeitsbelastung anbelangt, habe also auch erlebt, dass man 14 Stunden täglich arbeiten kann und das über einen langen Zeitraum. Doch diese anfängliche Begeisterung flachte dann doch peu à peu immer weiter ab. Heftig wurde es dann in einem Projekt, wo ich menschlich überhaupt nicht mehr klar kam und große Projektsitzungen an den eigentlichen Themen vorbei emotional und vor allem feindselig abgehalten wurden. „Wie kann man seine Meinung am besten durchboxen, den anderen verdrängen oder im am besten noch was reinwürgen?“

I: Und was dabei störte, war das Projekt!

B: In etwa. Da erlebte ich, wie diese Konstellation und diese Art der Zusammenarbeit Projekte zum Scheitern bringen. Der Kunde brach es über Nacht ab, was wiederum sehr große Auswirkungen auf die Unternehmensberatung hatte, für die ich arbeitete. Und auch in der gesamten Branche, weil jeder sich fragte: „Huch, warum funktioniert das denn in so einer renommierten Firma wie KPMG Consulting nicht?“ Bei der Aufarbeitung führte ich dann ein Interview mit jemandem, der das Modell offen hinterfragte und konnte dem mal meine Beobachtungen erzählen: Wie Dinge nur noch durchgedrückt wurden, wie menschliches nicht funktionierte, wie gesagt wurde „Bleib mir weg mit deiner Psycho-Scheiße! Kümmere dich lieber darum, dass dieses Projekt funktioniert.“ Da wurde mir ganz klar, dass es zwar wunderbar ist, wenn die Aufgabe feststeht und funktioniert. Wenn aber die Menschen, die das bearbeiten, nicht mehr gut zusammenarbeiten können, dann kann so etwas einfach scheitern. Und das war für mich ein Stück weit der Auslöser dafür, irgendwas in meinem Leben zu verändern. Und einen beruflichen Neuanfang zu wagen.

I: Du hast diese Entscheidung über Nacht getroffen!?

B: Angestoßen wurde sie durch einen Kollegen, der sagte: „Monika, Du hast so tolle Ressourcen darin, mit Menschen zusammenzuarbeiten, sie dort abzuholen, wo sie stehen, ihnen Impulse zu geben, sie aufzufangen. Auch mal Querverbindungen zu schlagen, Dinge zu hinterfragen. Und das auf eine so angenehme und sanfte Art und Weise: Mach daraus etwas!“ Ich muss dazu sagen, dass das Anfang der 2000er war. Alles, was es heute so gibt: Systemische Beratung, Coaching, das steckte noch in den Kinderschuhen. Dieser ganze Bereich wurde ausgefüllt durch Management-Trainings, die man punktuell erhielt. Und das war es dann. Dass man auch kontinuierlich an solchen Hilfestellungen arbeiten kann, hat sich erst während der letzten 10-15 Jahre entwickelt und war Ende des letzten Jahrhunderts noch gar nicht so gegeben. Dennoch begann es, mich zu verändern. Ich wollte es ändern. Da fand ich per Zufall beim Surfen im damaligen Internet eine Ausbildung an der Fachhochschule in Frankfurt, die in das Thema hineinging: Personengeführte Gesprächsführung, personenzentrierte Beratung. Das Ganze auch übertragen auf die Wirtschaft, also nicht nur im sozialen Bereich. Die Hälfte der Teilnehmer kam aus renommierten Unternehmen. Da wagte ich den Schnellschuss und beschloss, das zu machen. Mein Arbeitgeber konnte mich damals aber aus einem ganz bestimmten Projekt nicht entlassen, daher musste ich freiberuflich dort an zwei Tagen in der Woche weiterarbeiten. Das heißt, ich hatte auf diese Art und Weise Kleingeld, um mein Leben zu finanzieren, konnte aber parallel auch dieses Aufbaustudium machen. Das war 2002.

I: Damals galt ja auch noch mal mehr: „Der Chef ist auf einer Weiterbildung dieses Wochenende. Am Donnerstag kommt er dann wieder normal.“ Oder? Freitag läuft es dann wieder genauso wie zuvor. Da machen wir uns keine Gedanken. Stichwort Neustart: Wer waren denn aus damaliger und heutiger Sicht deine Unterstützer? Vielleicht hat sich da ja was verschoben. Wer waren deine Kritiker? Wurden Unterstützer zu Kritikern?

B: Mein Hauptunterstützer war mein Mann, der zur rechten Zeit erkannte, dass ich anders arbeiten mochte und musste. Am Ende meiner Unternehmensberater-Zeit war ich nicht mehr die fitteste, diese 12-14 Stunden Arbeit forderten einfach ihren Tribut und ich hatte eigentlich schon zu Beginn gesundheitliche Probleme. Vor allem anderen war ich allerdings seelisch ausgepowert. Ich war einfach tieftraurig, nur noch im Hamsterrad, dabei, To-Do-Listen abzuarbeiten, hatte aber eigentlich den Spaß am Leben verloren. Und ich sage mal: Auch wenn das die Zuhörer jetzt nicht sehen – ich bin 1,64m groß und hatte zu dem Zeitpunkt nur noch 48 Kilo. Wenn ich mir also Hosenanzüge und Kostüme in Größe 34, was die kleinste Damengröße ist, kaufte, musste ich die teilweise noch schmaler nähen lassen.

I: Das heißt, Du konntest in der Kinderabteilung einkaufen!

B: Ja, in der Richtung. Oder ich musste nach Italien oder Frankreich gehen. Wenn ich mir heute Bilder angucke: Da war schon irgendwas in meinen Gesichtszügen von Strenge. Das war nicht ich.

I: Der Markt hat keine Seele.

B: Ganz genau, oder wenig.

I: Nein, ich denke eher: Du bringst deine Seele ein und wenn Du sie an den Markt verlierst, wird er sie dir nicht zurückgeben. Ich glaube, deine äußere Erscheinung spiegelte das in diesem Moment.

B: Wie gesagt: Mein Mann sprach mir zu und unterstützte mich. Sein Wunsch war es, dass, egal, was ich auch tun würde, ich nur wieder glücklich werden sollte. Was der Kontostand dazu sagt, war ihm egal. „Ich will die Moni zurückhaben, die ich vor zehn Jahren kennengelernt habe und die vor Glück sprudelte und zufrieden war mit ihrem Studium und ihrer Musik.“ Da kommt das Stichwort Musik hinein. „Und die einfach Freude am Leben hatte.“ Es gab andere Freunde, die das auch so sahen und erkannten, aber es gab auch Widerstände, sei es im familiären Umfeld oder im Freundeskreis. Die sagten teilweise: „Bist Du verrückt? Das ist doch eine tolle Stelle, Du verdienst viel Geld, arbeitest bei einem renommierten Unternehmen! Das willst Du alles aufgeben? Und das alles mit gerade einmal Anfang 30? Bist Du meschugge?“ Und ich gebe offen zu: Es gab auch Momente, in denen ich dachte „vielleicht haben die ja alle recht.“ „Vielleicht ist das alles so ein Hirngespinst.“ Ich kam auch ins Zweifeln, natürlich. Doch die tiefste Überzeugung in mir gewann und drängte mich dazu, diesen Weg zu gehen. „Es wird sich was finden.“ Und manchmal muss man diesen Sprung einfach wagen. Du siehst hier ja mein Leitbild, den Springer. Und wenn Du dir diese Postkarte von dem Kätzchen anguckst, siehst Du, dass dieses Bild geblieben ist: Manchmal muss man den Sprung einfach wagen.

I: Was war für dich das belastendste Problem und wie konntest Du es lösen? War es das Geld? Was es der Mindset? Waren es die äußeren Reaktionen des Umfelds?

B: Mein größtes Problem war, dass ich aus meinem Arbeitsverhältnis getreten bin, dieses Aufbaustudium aufgenommen hatte, am letztendlich nicht wusste, wohin es gehen wird. Ein Stück weit fühlte es sich wie ein Kaltstart an. Man fängt nochmal ganz von vorne an, hat eine vage Idee davon, in welche Richtung es mal gehen soll, aber kein klares und konkretes Bild. Das belastete mich schon häufig. Mich, die ich hauptsächlich rational denke, die aus der Mathematik komme, wo es am Ende ein eindeutiges Ergebnis gibt.

I: Ist es auch eine Frage von Sicherheit, im Sinne davon, dass Du sie verlassen musstest? Zu wissen: Wo komme ich an?

B: Richtig, ja. Das Thema Sicherheit auf alle Fälle. Dann auch ein Stück weit, die finanzielle Freiheit aufzugeben, oder zumindest, zu wissen: Wenn ich eine schlechte Phase habe, dann wird es mein Mann sein, der mich auffängt. Damals war ich aber noch sehr in dieser Ich-Perspektive. Wir waren zwar verheiratet, aber ich war es gewohnt, für mich selbst zu sorgen. Jetzt war es plötzlich so, dass monatlich kein Betrag X mehr garantiert war und ich mich seine Hände begeben musste. Das veränderte mein „Ich“ zum „Wir“. „Mein Einkommen“ und „dein Einkommen“ wurde zu „unserem Einkommen“. Und das kann sich mal in die eine oder andere Richtung verschieben, es hätte ja auch bei ihm was passieren können. Dann hätte ich ihn genauso aufgefangen. Das „Wir“ veränderte meine Sichtweise und schweißte uns stärker zusammen. Das Leben wurde unser gemeinsames Projekt und auch das Ziel, mich wieder glücklich zu machen.

I: Ja! Das strahlst Du auch aus!

B: Danke! Wie konnte ich es also lösen? Primär durch die Änderung meiner Sichtweisen und Glaubenssätze. Letztendlich aber auch durch das Vertrauen, dass es einen Weg gibt, wenn ich nur meine Augen öffne: Dann werde ich auf Menschen und Situationen stoßen, die ich packen kann, und die werden mich weiterbringen. Und exakt so ist es auch gekommen. Es gab hier mal einen Zufall, da mal einen Zufall, es ist mir zugefallen. I: Du hattest einfach die Offenheit und den Horizont, Dinge zu erkennen, die Chancen, die andere normalerweise genutzt hätten. B: Vielleicht hätte ich die Chancen sonst nicht gesehen und entsprechend auch nicht umgesetzt. Aber mein Blick ging bewusst über 180 Grad. I: Was war in der Veränderung dein größter Fehler? Vorhin sagtest Du, dass die Weiterbildung in Frankfurt eine der ersten großen Veränderungen war: Was war in der Veränderung selbst von der Unternehmensberaterin zur Lebensberaterin der größte Fehler und wie konntest Du damit umgehen?

B: Ich gebe offen zu: Ich habe diese Frage schon in der Vorbereitung gelesen und ich kann dir gar nicht den größten Fehler nennen, weil ich rückblickend nicht das Gefühl habe, einen großen Fehler gemacht zu haben. Wenn ich heute alles nochmal machen könnte, würde ich mich auf dem Markt klarer positionieren. Ich bin sehr lange Zeit wie ein Gaukler durch die Gegend gelaufen und habe alles was kam, auch angenommen. Und auf einmal arbeitete ich in Aufgaben, die gar nicht zu mir passten. Oder der Kunde passt nicht zu mir, und es ist mehr Krampf und Kampf, als dass es fruchtbar ist.

I: Sprich: Du hast für Schmerzensgeld gearbeitet?

B: Genau. Heute sage ich allerdings: Das war gut so. Hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht, wüsste ich heute ja nicht, wer mein Lieblingskunde ist. Mit dem ich gut kann und mit wem ich konstruktiv zusammenarbeiten kann. Ich veränderte also mein berufliches Umfeld und ging in eine Richtung, die mir viel Freude bereitete, allerdings gab es auch viele Themen im privaten Bereich. 2006 ist meine Tochter zur Welt gekommen, auch hier war da plötzlich die Transformation der Unternehmensberaterin, der Unternehmerin, zur Mutter.

I: Familienunternehmerin!?

B: Ja, genau! (lacht) Nebenbei haben wir dann noch zwei Jahre später dieses Haus gebaut und sind aus Darmstadt nach Ladenburg gezogen. Diese Baustelle mit zu begleiten, war natürlich auch eine große Herausforderung. Gleichzeitig verstarb meine Cousine ganz plötzlich, mit 47 Jahren, an Darmkrebs, total schnell. Nach der Diagnose starb sie innerhalb von sechs Wochen. Für mich war sie aber wie ein Anker. Mein Vater war gleichzeitig manisch-depressiv, wurde dann dement, konnte dann irgendwann nicht mehr zu Hause wohnen, kam in ein Pflegeheim. Er hatte also kurzgesagt einen langen Leidensweg, was mich sehr belastete.

I: Meine nächste Frage brauche ich dir eigentlich nicht zu stellen: Stell dir vor, es käme eine Fee heute Nacht und würde zu dir sagen „Liebe Monika, Du hast die Möglichkeit, die Uhr zurückzustellen, auf ein Jahr, bevor Du bei der damaligen Unternehmensberatung ausgestiegen bist. Dann haben wir aber einen vollständigen Reset. Du weißt nicht, was danach kommt, Du kannst nicht auf die Ressourcen der heutigen Zeit zugreifen.“ Was würdest Du nach der nächsten Nacht dieser Fee sagen? Möchtest Du das oder ist es so am besten für dich, wie es jetzt ist?

B: Ich würde diesen Weg genauso wieder gehen, ich würde nichts verändern. Vielleicht ein paar Kleinigkeiten, ja, worüber wir heute auch schon gesprochen haben. Ein paar unternehmerische Entscheidungen würde ich heute anders treffen, Dinge stringenter anpacken. Summa summarum würde ich ihn allerdings genauso wieder gehen, weil mir in dieser Zeit sehr bewusst geworden ist, wie wichtig es ist, sein Leben zu genießen und die Stärken und Fähigkeiten auszuleben, die in einem stecken. Heute bin ich sehr glücklich darüber, dass ich das umsetzen durfte und konnte.

I: Was waren die entscheidenden Ressourcen, die Du aus dem alten in das neue Leben mitgenommen hast? Gab es da welche?

B: Ja! Zum einen ist es mir nicht schwergefallen, mein Unternehmen zu kalkulieren, es kaufmännisch zu sehen. Macht eine Investition Sinn: Ja oder nein? Ein unternehmerisches Denken. Das ist eine Ressource. Dann auch, effektiv und effizient zu arbeiten. Ich hatte ja viele Baustellen: Wenn ich da nicht hätte sagen können, wann was dran ist, wenn ich keinen Projekt-Plan gehabt hätte, wäre es mit Sicherheit ganz schön heftig geworden. Diese Ebene ist mir geblieben, die rationale, stringente Sichtweise auf Fragestellungen.

I: Meine Erfahrung ist: Manche hatten als Kinder oder Jugendliche schon Ideen oder Ressourcen, oder sie haben was Ähnliches gemacht. Ist das bei dir auch so? Oder ist es etwas ganz Neues?

B: Als Coach und Organisationsberaterin, systemische Moderatorin, bin ich natürlich als Kind nicht aufgetreten. Was sich allerdings wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, ist die Balance zwischen rationalen und logischen Themen, wie auf der anderen Seite kreativen, gestalterischen. In der Schule waren meine beiden Lieblingsfächer Mathe und Musik. Ich war auf einem musischen Gymnasium, habe da sehr viel gesungen und Musik gemacht. Und wenn ich aus einem Konzert-Wochenende kam, war ich glücklich, dass ich dann mal wieder meine Mathe-Aufgaben lösen durfte und umgekehrt. Gegensätze als Ausgleich. Während der Unternehmensberatungszeit und zwischendrin hatte ich diese musische Seite komplett verloren zugunsten der anderen Ebene. Das hat aber gefehlt.

I: Nur dann, wenn die Balance da ist, wirst Du auch im Sattel bleiben. Manchmal hat das Pferd auch gar keinen Sattel!? Welches Buch oder welchen Film würdest Du Menschen empfehlen, die sich in einer Veränderungssituation befinden?

B: Da erwischst Du mich jetzt kalt, ich gebe es offen zu. Ich sehe diese Frage und mir fällt partout dazu im Moment nichts ein. Weder ein Film, noch ein Buch. Eher noch der Appell an sie und der Wunsch für alle Menschen, die an so einem Punkt angekommen sind, merken, dass sie nicht weiterleben möchten und ihnen ihr aktuelles Leben nicht guttut: „Springt, und macht was anderes!“ Manchmal dreht man nur an kleinen Rädchen und vieles wird anders. Lassen Sie sich nicht beirren und schauen Sie, wohin Ihr Weg Sie führen kann!

I: Damit hast Du ja schon meiner nächsten Frage vorweggegriffen. Die der Lebensweisheiten. Ja, ich denke, manchmal braucht es einfach den Anstoß von außen, um die Schwerkraft zu besiegen und den Hintern hoch zu kriegen.

B: Momentan bin ich in den Vorbereitungen dazu, meine Homepage umzugestalten. Die Umsetzung wird aber erst im vierten Quartal dieses Jahres geschehen, vorher werde ich es nicht hinbekommen. (I: Vor Anfang Oktober werde ich auch nicht veröffentlichen.) Ja, bei mir wird es deutlich später werden aber darüber sprechen wird, aber darüber reden wir nochmal. Auf dieser neu gestalteten Homepage können die Hörer einfach eine Checkliste und einen Fragebogen downloaden, die sie in diese Reflexion hineinbringt: Was möchte ich ändern? Welche Ressourcen habe ich und welche Zwänge? Bei allem wunderbaren, kreativen hat natürlich auch jeder sein Pflichtprogramm. Es gibt immer die Pflicht und die Kür. Welche finanziellen Themen muss ich auf alle Fälle regeln? Welche weiteren Rahmenbedingungen sind gesetzt und auch nicht veränderbar? Sei es die familiäre Situation, oder Dinge, an denen ich festhalten möchte. Dann, auf der anderen Seite: Wo ist der Spielraum, auszubrechen und etwas anderes zu machen? Diese beiden Facetten möchte ich ganz gerne in einen Fragebogen bringen und den können sie dann gerne downloaden. Ganz genau. Im Moment geht es einfach noch nicht, weil ich noch nicht so weit bin und hier noch an den Inhalten arbeite. (I: Dann wird es immer besser!) Ja, ich hoffe. Auf alle Fälle habe ich viele Ideen und auch Menschen, die mich unterstützen. Um daraus eine runde Sache zu machen.

I: Aber die Podcast-Hörer können dich auch über deine jetzige Homepage schon kontaktieren.

B: Ja, auf Xing bin ich ja auch erreichbar. Es gibt also auf jeden Fall Kontaktmöglichkeiten.

I: Dann sage ich: Herzlichen Dank!

B: Ja, Danke Stefan, auch von meiner Seite! Ja, liebe Zuhörer, ich hoffe, dass ich sie auf meine Art und Weise ein bisschen inspirieren konnte und ihnen Mut machen konnte, den großen Berg zu bewältigen. Und dass Sie das können, da bin ich ganz sicher! Stein für Stein abtragen!

I: Herzlichen Dank!

B: Gerne.

Kontakt: https://metedas.de

© 2018 – Stefan Hund – für Sorgenfrei-im-Unternehmen – Ingenieurbüro Wedler, Ingenieurbüro für Arbeitssicherheit und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

StilleZeit, #Schweigecoach


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